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Fight Fascism 2009

Nazis wegrocken! Fight Fascism 2009 am 25. September 2009 im Jugendheim Stolberg/Münsterbusch (Rotdornweg / Ecke Prämienstrasse)

Unter dem Motto „Nazis wegRocken! Fight Fascism 2009!“ steht das diesjährige Fight Fascism in Stolberg, das in diesem Jahr in die neunte Runde geht. Ein Zeichen für neun Jahre Kampf gegen den Faschismus. Doch noch immer laufen Nazis pöbelnd und prügelnd durch die Straßen! Hetzen gegen Menschen die anders denken, anders aussehen oder beides. Ihrer menschenverachtenden Gesinnung gilt es entgegen zu treten! Gerade auch nach den Aufmärschen der Faschistinnen und Faschisten in diesem und im letzten Jahr sieht man, dass Stolberg und auch Aachen noch einen langen Weg im Kampf gegen den Faschismus vor sich hat. Doch wir werden diese Herausforderung annehmen und uns nicht vom Naziterror beeinflussen lassen!
Nach den Übergriffen auf Jugendliche von Nazis nach dem Konzert 2007 und Organisationsschwierigkeiten 2008 erscheint das Fight Fascsim dieses Jahr im neuen Glanz. Es ist für mehr Sicherheit und für mehr Abwechslung gesorgt. So ist das Lineup des Konzertes dieses mal abwechslungsreicher. Masons Arms eröffnet das Konzert mit einer Mischung aus Ska-Punk und Reggae, „Pogo?Na Logo!“ sorgen mit oldschool Punkrock dann für die richtig Stimmung, genauso wie „ZSKA“. Das ganze wird dann noch von der „Microphone Mafia“ aus Köln mit Hip Hop Beats abgerundet. Alle auftretenden Musiker verzichten auf eine Gage, wodurch ein geringer Eintrittspreis möglich ist. Veranstalter des Konzerts ist in diesem Jahr, ist die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) sowie die Vereinigung Verfolgter des Naziregims, Bund der AntifaschistInnen (VVN/BdA) und die Gruppe Z aus Stolberg. Wie in den Vorjahren wird das Konzert von einem breiten Spektrum an Gruppen unterstützt: Von dem AK Antifa Aachen über die IG Metall Stolberg/Eschweiler, der ver.di Jugend bis hin zu den Jusos Kreis Aachen und weiteren. Das Konzert findet wieder im Jugendheim Stolberg/Münsterbusch statt (Rotdornweg / Ecke Prämienstrasse) und wird 4 Euro Eintritt kosten. Der Einlass ist um 17 Uhr und der Beginn des Konzertes ist um 17:30 Uhr.
Wie jedes Jahr sind Gemäß §6 VersG folgende Personen von der Teilnahme an der Veranstaltung ausgeschlossen: NPD, DVU, Republikaner, KAL sowie Neonazis, Rechtsextreme Störer und Störerinnen.
Nur Gemeinsam können wir die Faschistinnen und Faschisten auch weiterhin erfolgreich bekämpfen und sie in die Schranken weisen! Am 25. September werden wir ein weiteres Mal deutlich machen, dass es in Stolberg und dem Rest der Region keinen Platz, keinen Raum, nicht einen Fußbreit für Nazis gibt und wir auch weiterhin dafür kämpfen werden! Nazis wegRocken, jeden Tag!

„Wir brauchen mehr Radikalismus in Stolberg!“

Wir dokumentieren hier einen Redebeitrag, der beim FF8 gehalten wurde

Liebe Antifaschistinnen und Antifaschisten,

ein Gespenst geht um in Stolberg, das Gespenst des „Extremismus“. Manchmal tarnt es sich auch als „Radikalismus“. Dieses Gespenst ist anscheinend so gefährlich, dass sich dagegen erstmals in Stolberg ein politisches Bündnis formiert hat. Ein Bündnis, dem nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ von Antifa, VVN/BdA und linken Organisationen und Parteien, sondern auch politisch Ungebundene und „bürgerliche“ politische Kräfte vertreten sind.

Persönlich bin ich sehr dafür, dass es breite Bündnisse gibt, die gegen menschenverachtende Ideologien und Rassismus kämpfen. Nur wenn es aus der Bevölkerung heraus ein deutliches Bekenntnis zu Demokratie und Vielfalt, zu Toleranz und Menschenwürde gibt, haben rassistische und faschistische politische Organisationen in Deutschland und anderswo keine Chance.

Aber warum meint man, Nazis unbedingt unter dem Vorzeichen, „Radikalismus“ oder „Extremismus“ bekämpfen zu müssen? Radikal kommt von lateinisch „radix“, das ist die Wurzel. Radikal sein heißt, an die Wurzel zu gehen. Wenn das so ist: Ich bin radikal – ich bin dafür, an die Wurzel von Rassismus und Faschismus in unserer Gesellschaft zu gehen, ihre soziale Grundlage zu bekämpfen und zu beseitigen!
„Extremismus“ heißt lateinisch „das Äußerste“. Es geht also um politische Organisationen, die an die Wurzel von etwas gehen. Man glaubt politische Kräfte zu erkennen, die von den äußersten Rändern des politischen Spektrums kommend, unsere „freiheitlich-demokratische Grundordnung“ gefährden.

Aber Moment! Was zum Teufel soll eigentlich diese Freiheitlich-Demokratische Grundordnung sein? Und wer beschützt die? Das ist auch so ein Lieblingsfall von mir. Denn selbst wenn ich mich unter meinen befreundeten Politikstudenten umhöre, kriege ich von fünf Leuten fünf Antworten auf diese Fragen.
Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil zum Verbot der faschistischen Partei SRP gesagt:
„Freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Art. 21 II GG ist eine Ordnung, die unter Ausschluss jeglicher Gewalt und Willkürherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den grundlegenden Prinzipien dieser Ordnung sind mindestens zu rechnen: die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem vor dem Recht der Persönlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, die Volkssouveränität, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzmäßigkeit der Verwaltung, die Unabhängigkeit der Gerichte, das Mehrparteienprinzip und die Chancengleichheit für alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsmäßige Bildung und Ausübung einer Opposition“.

In Stolberg sehe ich weit und breit keine politische Kraft, die diesen Katalog nicht respektiert – außer den Neonazis, die vor Angriffen auf der Leben anderer Menschen nicht zurückschrecken, die hier in Stolberg vor einem halben Jahr Mitbürgern türkischer Herkunft offen Gewalt angedroht haben. Ich sehe keine politische Kraft in Stolberg außer der rassistischen Rechten, die Menschenrechten missachtet und Vielfalt vernichten möchte. Es waren Neonazis, die bei ihrem Aufmarsch im Frühjahr hier auf offener Straße gebrüllt haben: „Kein Vergeben, kein Vergessen, Türken haben Namen und Adressen“. Diese Nazis sind brutale Verbrecher und Menschenfeinde, aber sie gehen nicht an die Wurzel sozialer Missstände – was die tun, hat nichts mit Radikalität zu tun!

Die inhaltsleere Rede von „Radikalismus“ und „Extremismus“ ist irreführend, weil sie davon ablenkt, wie die konkrete Bedrohung für das menschliche Zusammenleben aussieht. Zu oft haben in Deutschland auch die staatlichen Sicherheitsbehören die Rede vom „Extremismus“ missbraucht, um unsere Rechte missachten zu können. Und dann ist es ihnen auf einmal egal, was die „Freiheitlich-Demokratischen Grundordnung“ sagt.
Wenn man gegen ein Wirtschaftssystem demonstriert, das auf Ausbeutung und Naturzerstörung beruht, dann ist man „Extremist“. Aber wenn man diese Demonstranten illegal von Bundeswehr-Flugzeugen überwachen lässt, wenn man sie mit „Agents Provocateurs“ unterwandert, um sie als hirnlose Randalierer darstellen zu können, wenn man sie in enge Käfige wegsperrt wie in Heiligendamm, sie dann keinem Richter vorführt und ihnen den Kontakt zum Anwalt verweigert, dann ist das bestenfalls „Staatsversagen“. Die Betroffenen haben halt Pech gehabt. Mit „Extremismus“ aber hat das aber nichts zu tun.
Dasselbe ist erst kürzlich passiert, als etliche, auch minderjährige antifaschistische Demonstranten in Köln widerrechtlich eingesperrt wurden. Unsere hohen Volksvertreter in nordrheinwestfälischen Landtag hatten dagegen nichts zu bemängeln. Ein toller Innenminister ist unser Ingo Wolf, ein wahrer Beschützer der Freiheit: Vorreiter bei der Online-Durchsuchung und der Einkerkerung von Demonstranten!

Wisst Ihr, ich argumentiere meist altbacken-reformistisch. Und trotzdem – wenn ich bis vor kurzem gesagt habe: Wir brauchen jährlich ein Investitionsprogramm für soziale Infrastruktur, Bildung und ökologischen Umbau der Gesellschaft in Höhe 70 Milliarden, finanziert aus Besteuerung und Konfiszierung von großen Vermögen, dann war ich „radikal“ und „unseriös“. Heute ist es aber keineswegs „radikal“, wenn zur Rettung des Bankensystems staatliche Garantien und Finanzspritzen in Milliardenhöhe gegeben werden, gegen die meine Vorschläge lächerlich gering wirken. Den Politikern sollten wir sagen: Wir sind gerne radikal, wir wollen an die Wurzel des Übels gehen. Ihr sorgt dafür, dass das Übel weitergehen kann, unter dem viele Menschen leiden werden!

Zum Schluss möchte ich sagen: Das Beispiel der erfolgreichen Aktionen gegen „pro Köln“ im September ist sehr wichtig. Es zeigt, wie antifaschistischer Protest erfolgreich sein kann, wenn sich die engagierten Bürgerinnen und Bürger nicht spalten lassen und „gute, brave“, die nur auf eine Kundgebung gehen und klatschen und „böse, radikale“, die zivilen Ungehorsam üben.
Das muss auch hier möglich sein! So viele Stolbergerinnen und Stolberger wie möglich müssen sagen: „In meiner Stadt dulde ich keinen Rassismus! Dieses Übel müssen wir an der Wurzel bekämpfen!“
Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Radikalismus in Stolberg!

Fight Fascism 8 mobil – Kundgebung mit Konzert [Update]

Da das Konzert Fight Fascism in diesem Jahr leider abgesagt werden musste, wird es nun am 11.10. unter dem Motto „Fight Fascism 8 mobil“ eine Kundgebung mit Konzert geben, die den antifaschistischen Protest auf die Straße tragen wird. Neben alerta! aus Aachen und Ashtray aus Stolberg wird Microphone Mafia aus Köln für die musikalische Beschallung verantwortlich sein.
Im Vorfeld des Konzertes haben wir die Gelegenheit, den Witzfiguren am NPD-“Info“stand in der Stolberger Innenstadt zu zeigen, dass Faschistinnen und Faschisten in Stolberg und anderswo unerwünscht sind!

Lasst uns viele sein! Lasst uns laut sein!
Den Protest auf die Straße tragen!

Am 11.10.2008
ab 10 Uhr: Kundgebung gegen NPD-Stand
ab 14 Uhr: Fight Fascism 8 mobil

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Zeitungsartikel und Leserbrief zum Fight Fascism

Artikel in Stolberger Zeitung/Stolberg Nachrichten vom 30.8.2008

Antifa verzichtet auf heutiges Konzert
Stadt und Polizei widersprechen Vorwürfen

Stolberg. Das eigentlich für den heutigen Samstag geplante Konzert ,,Fight Fascism“ fällt aus; die Organistoren Antifa, VVN, und Gruppe Z haben sowohl die achte Auflage der Veranstaltung wie alternativ angedachte Kundgebungen für den Tag abgesagt. Als Grund dafür wird weniger der wegen des Dachschadens gesperrte Saal des Jugendheims Münsterbusch angegeben, denn angeblich ,,unerfüllbare Forderungen von Polizei und Stolberger Stadtverwaltung“. Die habe den Organisatoren zwar in Atsch einen alternativen Veranstaltungsraum angeboten, gleichzeitig aber ,,unerfüllbare Forderungen“ aufgestellt: neben einem Ordnerdienst einen Sicherheitsdienst, der auch das Vorfeld des Veranstaltungsortes absichert. ,,Diese Auflagen sind neu und nicht zu erfüllen“, bilanziert die Antifa Düren: ,,Was den Neonazis nicht gelang , ist nun doch gelungen: die Absage des nicht-kommerziellen Jugendfestes. Stadt und Polizei der alten Zink-Stadt Stolberg mit ebensolchen Karten“. Unerklärlich sind sowohl für die Stadtverwaltung wie die Polizei solche Interpretationen. ,,Im Vorfeld hat es mit Veranstaltern, Polizei und unseren Fachämtern eine Besprechung gegeben, auf der Einvernehmen über die Rahmenbedingungen erzielt wurden“, sagte Petra Jansen . Die Verwaltung habe lediglich die abgesprochenen Auflagen vertraglich fixiern wollen, so die Pressesprecherin der Stadt. Auch die Polizei weist auf die Gespräche mit Veranstaltern, Ordnungs- und Jugendamt hin. Einvernehmen habe geherrscht , dass das Konzert so wie in der Vergangenheit nicht mehr laufen könnte. ,,Es wurden nur Auflagen erteilt, die völlig üblich sind“,betonte Pressesprecher Paul Kemen. Der Veranstalter habe Ordnungskräfte in und einen Sicherheitsdinst für das direkte Umfeld der Veranstaltungsortes stellen müssen. ,,Das sind für alle derartigen Veranstaltungen übliche Auflagen, die so normalerweise auch überall eingehalten werden“, betonte der Polizeisprecher.
Am Rande und im Umfeld der sieben vorangegangenen Antifa-Konzerten war es mehrfach zu Konfrontationen mit Rechtsradikalen gekommen. Insbesondere im vergangenen Jahr hatte es Übergriffe auf Jugendliche gegeben, die zuvor das Konzert besucht hatten, aber von der Polizei bislang nicht aufgeklärt werden konnten. Nahe dem bisherigen Veranstaltungsort im Jugendheim Münsterbusch hatten in den vergangenen Jahren zeitgleich zu den antifaschistischen Konzerten als privat geltende Treffen der rechten Szene bei dem NPD-Ratsmitglied Willibert Kunkel statt gefunden. Kräfte der Polizei waren stets präsent, um ein gewaltsames Zusammentreffen beider Lager möglichst zu verhindern. (jül)

Leserbrief zu „Antifa verzichtet auf heutiges Konzert“

Zum richtigen Verständnis der Konzertabsage durch die Veranstalter ist zunächst ein Überblick der Ereignisse sinnvoll, die zur Absage von ,,Fight Fascism“ führten.

* 10. Juli: Erhalt der Gestattung (Ausschankgenehmigung) ohne Sonderauflagen, wie auch in den vergangenen sieben Jahren.
* 22. Juli: Schriftliche Einladung zu einem Vorbereitungstreffen für den 4. August bei der Polizei, mit Ordnungs- und Jugendamt.
* 1. August: Absage für das Jugendheim Münsterbusch wegen Dachschaden durch die Stadt.
* 4. August: Organisation eines neuen Konzertortes. Danach, ebenfalls noch am 4. August unerwartete u. plötzliche Absage des Vorbereitungstreffens durch die Polizei.
* 7. August: Übergabe der neuen Gestattung bei der Polizei durch das Ordnungsamt, diesmal mit Sonderauflagen mit Elementen aus dem Demonstrations- u. Kundgebungsrecht.

Diese Auflagen sind nicht zu finanzieren und nicht zu erfüllen. Nachdem letztes Jahr die Polizei ihre Einsatzkräfte vom Ort des Geschehens abgezogen hatte, wurde das Fest von den Nazis überfallen. Dieses Jahr werden die Veranstalter mit den Sonderauflagen nun im voraus juristisch und privatrechtlich für mögliche Ereignisse im Umfeld des Konzertes verantwortlich gemacht. Stadt und Polizei haben ihren Willen bekundet u. durchgesetzt, das Konzert „Fight Fascism“ im achten Jahr zu verhindern. Die Folgen für das immer frechere und gefährlichere Auftreten der Nazis in dieser Stadt sind noch nicht absehbar.

Stolberger Zustände / „Fight Fascism mobil“

Pressemitteilung von Vertretenden der Gruppe Z (Stolberg) und der VVN-BdA

Die Veranstalter der bislang erfolgreichen antifaschistischen Jugendkonzerte in Münsterbusch sagen das achte Jugendkonzert am Samstag 30. August wegen unerfüllbarer Forderungen von Polizei und Stolberger Stadtverwaltung ab.
Vor einem Jahr fand unser letztes Konzert im Jugendheim Münsterbusch statt. Nach dem Abzug der Polizei konnten 15 maskierte und bewaffnete Neonazis einen Überfall auf Jugendliche durchführen. Es gab Verletzte bei den jugendlichen Konzertbesuchern. Die Täter sind bis heute nicht ermittelt. Anklage ist nicht erhoben worden.
Die Neonazis wollten die Besucher und Veranstalter einschüchtern und so verhindern, dass die erfolgreichen, gut besuchten Veranstaltungen weiter durchgeführt werden. Immerhin wohnt in direkter Nachbarschaft der NPD Ratsherr Kunkel, der regelmäßig parallel zu Trinkgelagen seine Schlägertruppe der „Kameradschaft Aachener Land“ einlud. Immer wieder versuchte Kunkel in den vergangenen Jahren, vor dem Jugendheim zu provozieren.
Erwähnen wollen wir noch, dass wir von uns aus nach dem Konzert jeweils eine gründliche Reinigung des Geländes und des Gebäudes vornahmen. Es gelang uns stets, die Vorschriften des Jugendschutzgesetztes einzuhalten.
Was den Neonazis nicht gelang, ist nun doch gelungen: die Absage des nicht-kommerziellen Jugendfestes.
Stadt und Polizei spielen in der alten Zink-Stadt Stolberg mit ebensolchen Karten. Allen Beteuerungen zum Trotz wurden uns neue Hindernisse in den Weg gestellt, die wir letztlich nicht mehr überwinden konnten.
Obwohl schon im April die Schäden an der Decke des Jugendheimes Münsterbuschs bekannt waren, bekamen wir Mitte Juni wie in den Vorjahren einen Gestattungsvertrag ohne Auflagen für die Nutzung des Jugendheimes.
Wir begannen mit der Werbung für das Jugendkonzert. Ende Juli kam dann an die Öffentlichkeit, dass die Halle für Veranstaltungen nicht mehr genutzt werden kann und wir wurden Anfang August darüber in Kenntnis gesetzt.
Wir wollten aber an dem Angebot eines nicht kommerziellen und politisch gegen Rechts gerichteten Jugendkonzerts festhalten und fragten an anderen möglichen Orten nach. In der Atscher Schule fanden wir schnell Ersatz.
Nun aber wurden wir mit einem „Vertrag“ konfrontiert, der für uns ganz neue und wie sich herausstellte unerfüllbare Forderungen enthielt. Wir haben und hatten bislang immer einen eigenen Ordnerdienst. Jetzt sollte wir gezwungen werden, einen kommerziellen Sicherheitsdienst zu engagieren.
Das geht aus zwei Gründen nicht. Erstens ist der Charakter des Jugendkonzertes nicht-kommerziell. Eines unserer Ziele war und ist, ein Angebot für Jugendliche zu schaffen, die über wenig Geld verfügen und deshalb keinen hohen Eintrittspreis bezahlen können und sich auch keine Gaststättenpreise bei den Getränken leisten können. Ein professioneller Sicherheitsdienst wird bei kommerziellen Veranstaltern einfach auf den Eintrittspreis gerechnet. Das kam für uns nicht in Frage.
Zweitens haben wir unseren Ordnerdienst auch dafür gebraucht, um Neonazis von der Veranstaltung fernzuhalten. Ohne zu pauschalisieren kann man doch sagen, dass solche kommerziellen Ordnerdienste oft von äußerst rechts eingestellten Personen durchsetzt sind. Wir wollten uns keine Laus in den Pelz setzen, wozu uns die Auflagen aber zwingen wollten.
Die Auflagen machten uns verantwortlich nicht nur für das, was innerhalb der Räumlichkeiten stattfinden sollte, es wurde von uns verlangt, in den umliegenden Strassen Igelweg und Jahnstrasse für Ordnung zu sorgen, insbesondere den Verzehr alkoholischer Getränke zu unterbinden.
Obwohl wir für den öffentlichen Straßenraum vom Gesetz her gar nicht zuständig sein können und dies originäre Aufgaben der Polizei und des Ordnungs -bzw. Jugendamtes sind, wurden Zuwiderhandlungen von Dritten uns angelastet und wir wurden mit Ordnungsgeldern bedroht.
Wir hätten die Beseitigung von Verunreinigungen durch Konzertbesucher bezahlen müssen. Der Igelweg ist dabei eine lange, abends nicht einsehbare Strasse.
Wir halten fest: Die Auflagen sind erstens neu und zweitens schon in der Kürze der Zeit nicht zu erfüllen.
Drittens hat die Polizei, die im letzten Jahr nach dem Konzert kläglich versagte, dafür gesorgt, dass das Risiko eines erneuten Überfalls durch Neonazis auf uns überging.
Eine öffentliche Aufgabe, der Schutz unserer Veranstaltung, solle delegiert werden an möglicherweise dubiose private Sicherheitskräfte.
Ein vereinbarter Gesprächstermin mit unseren Sicherheitsbeauftragten wurde von der Polizei „aus Termingründen“ abgesagt.
Der Bürgermeister hat in den vergangenen Jahren an die jugendlichen Besucher des Konzertes ein Grußwort gerichtet. Nach den Neonazi-Demonstrationen im Frühjahr hat er neu grüßen lassen: von seiner Verwaltung, die das erreichte, was die Neonazis bislang nicht geschafft haben.
Jetzt wird auch deutlich, was es bedeutet, wenn eine Stadt gegen „Radikalismus“ vorgehen will. Das Engagement gegen Rechts wird nur unterstützt, wenn es den Segen von Polizei und Verwaltung hat, am Besten noch von der Obrigkeit selbst organisiert wird.
Wenn jemand Opfer neofaschistischer Gewalt wurde, ist nicht die Organisierung von Gegenwehr gewünscht, sondern Stillhalten. Die Ruhe, die der Kampf gegen „Radikalismus“ verspricht, ist die Friedhofsruhe.
Wir haben nicht vergessen, dass die Neonazis in Stolberg Pogromstimmung verbreiten konnten („Auch Türken haben Namen und Adressen- kein Vergeben, kein Vergessen“) Das wurde als ihr „demokratisches Recht“ dargestellt und mit tausenden von Polizisten gegen Proteste geschützt.
Unser antifaschistisches Jugendkonzert aber wird keinesfalls unterstützt, sondern mit schikanösen Auflagen verhindert.
Das ist nahe der Definition einer national befreiten Zone: wenn die Neonazis marschieren dürfen und ihre potentiellen Opfer den Mund halten (sollen).
Wir haben nicht die Illusion, dass hier übereifrige Verwaltungsbeamte und ein paar Hardliner der Polizei übers Ziel hinausgeschossen sind. Das hat Methode. Aber das Versprechen dieser Leute ist trügerisch und es ist ahistorisch.
So ist die Geschichte schon einmal verlaufen und sie ist- wie immer man es betrachtet- mächtig schief gegangen. Deshalb kann es keine „Ruhe“ geben.
Es ist nicht die Zeit und nicht der Anlass, Ruhe zu bewahren. Wir werden keine Ruhe geben

Wir rufen auf,

am Samstag, den 11. Oktober 2008

gemeinsam laut, bunt und heftig gegen den geplanten Infostand der NPD in der Stolberger Innenstadt zu demonstrieren unter dem Motto

„Fight Facism 8 / mobil“.

Fight Fascism 8 fällt aus [Update]

Zu unserem großen Bedauern muss das Konzert Fight Fascism in diesem Jahr wegen unerfüllbarer Auflagen seitens Polizei und Ordnungsamt leider ausfallen. Aufgrund der Kürze der Zeit, bleibt keine Möglichkeit, rechtlich gegen die Auflagen vorzugehen.
Allerdings ist für den selben Tag eine Ersatzveranstaltung geplant. Haltet euch also den 30.8. ab dem frühen Nachmittag frei.
Weitere Infos werden hier bekannt gegeben.

Update: Am Samstag, den 30.8. wird es keine Ersatzveranstaltung fürs Fight Fascism geben.

Fight Fascim 8 muss umziehen

Pressemitteilung vom 02.8.2008

Die Veranstaltenden des Konzerts Fight Fascim 8 in Stolberg bedauern, daß ihnen und den vielen Stolberger Vereinen das Jugendheim Münsterbusch wegen der baurechtlichen Sperrung zurzeit nicht zur Verfügung steht.
Das Konzert „Fight Fascim 8″ findet wie geplant am 30.08.08 statt. Die neuen Räumlichkeiten werden rechtzeitig mitgeteilt. (http://projekt.antifa.net).

Die Veranstaltenden Gruppe Z Stolberg und VVN-BdA Aachen

Achte Auflage von Fight Fascism

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