Pressemitteilung zum erneuten Reitz-Aufmarsch

Pressemitteilung des Antifaschistischen Aktionsbündnis Aachen zu dem
angemeldeten Aufmarsch des Neonazis Axel Reitz am 31.10.2009 in Aachen:

Für den 31.10. bereiten viele antifaschistische Gruppierungen und Personen bereits seit
längerem eine Antifaschistische Regionalkonferenz vor.
Ein spontaner Einfall des Nazi-Kaders Axel Reitz aus Köln zielt darauf ab, diese Vorbereitungen
zunichte zu machen oder als unwichtig erscheinen zu lassen. Axel Reitz hat für den 31.10.
einen Naziaufmarsch zum Thema „Gegen linke Gewalt – für das Verbot der Antifa“
angemeldet. Er wird mitbekommen haben, dass verschiedene antifaschistische Gruppierungen
aus der Region eine Konferenz an diesem Tag planen. Indem er dieses Datum wählt, hofft er
dieses Mal erfolgreich und ungestört durch Aachen ziehen zu können. Er glaubt, nur eine
geringe Beteiligung oder das Ausfallen der Konferenz könne seine Veranstaltung gefährden.
Doch wir Antifaschistinnen und Antifaschisten lassen uns unseren Terminplan nicht von einem
Hitler-Verehrer vorschreiben. Die Konferenz wird in ihrem geplanten Rahmen stattfinden. Alle
Menschen, die vor hatten, dorthin zu gehen, sollen dies auch tun und gemeinsam diskutieren,
wie man die Nazis auf Dauer in Aachen, in der Region und an jedem anderen Ort los werden
kann.
Alle Menschen, die den Tag nicht auf der Konferenz verbringen wollten, rufen wir dazu auf,
den Protest auf die Straße zu tragen. Wenn Nazis sich in einer Stadt breit machen wollen, darf
niemand wegsehen. Das geht alle etwas an!
Im vergangenen Jahr wurde bereits zweimal deutlich gezeigt, dass Nazis in Aachen nicht
erwünscht sind. Am 8.11. musste Reitz mit seinen Leuten wieder abfahren, nachdem sie
gerade einmal eine Kundgebung neben dem Bahnhof abhalten konnten. An Heilig Abend zeigte
entschlossener Protest die gewünschte Wirkung. Die Anzeige gegen einen aktiven
Aktionskünstler endete mit einem Freispruch erster Klasse. An dieser Tradition muss
festgehalten werden, der braune Spuk darf nicht ungestört marschieren.

Kommt zur Antifaschistischen Konferenz in Eschweiler!
Unterstützt die Gegenproteste in Aachen!

Antifademo am 2.10 in Aachen

Am Freitag 2.10 findet in Aachen eine Demonstration gegen einen Neonazitreffpunkt, die Kneipe „Schatulle“ statt. Die Demo beginnt um 18.30 Uhr, Treffpunkt ist der Theaterplatz vor dem Theater in Aachen.

In Aachen etabliert sich seit geraumer Zeit ein Neonazitreffpunkt. Während und nach Alemanniaspielen treffen sich regelmäßig in der Kneipe „Schatulle“ auf der Jülicherstraße Mitglieder der neonazistischen Kameradschaft Aachener Land und der NPD. Von dort aus finden immer wieder Übergriffe auf Linke oder vermeintliche Linke statt. Nach dem Spiel von Alemannia Aachen gegen den 1. FC St. Pauli am 17.8. 2009 drangen Neonazis von der Schatulle aus gar in eine Wohnung ein, in der sie politische GegnerInnen vermuteten.
Aber auch schon vor dem Anstoß wurden in Aachen junge Menschen von Nazis angegriffen und durch die Stadt gejagt. Die Aachener Polizei begleitete die Neonazis durch die Stadt und verfolgte das Geschehen. Ein paar der Nazis wurden von ihr zwar gestellt, aber unmittelbar danach wieder laufengelassen. Direkt vor dem Tivoli (dem Alemannia-Stadion) kam es zu einer weiteren Auseinandersetzung, in die Neonazis involviert waren.
Dieser Tag steht sinnbildlich für viele andere.
So etabliert sich in der Aachener Innenstadt ein fester Neonazitreffpunkt: Die „Schatulle“. Um die Nazipräsenz in der Kneipe wissend, weigert sich deren Besitzer sein neonazistisches Publikum vor die Tür zu setzen.

Schatulle dichtmachen! Keine Neonazitreffpunkte in Aachen. Und auch nicht anderswo!

Naziaufmarsch in Venlo (NL) verhindern!

In Venlo, in den Niederlanden direkt an der deutschen Grenze findet am Samstag dem 26.9. eine Neonazidemo statt. Dort wird die NVU, eine der NPD ähnliche Partei, aufmarschieren. Niederländische und deutsche Antifas rufen zur Verhinderung dieser Demo auf. Mehr Infos gibts hier:

http://onefight.blogsport.de

„Die-in“-Aktion gegen Faschismus und Rassismus

Am Samstag, den 12.9.2009, haben AntifaschistInnen mit einer Kunstaktion in der Innenstadt von Aachen darauf aufmerksam gemacht, dass Faschismus keine Meinung, sondern ein Verbrechen ist. An verschiedenen Stellen legten sich Menschen auf den Gehweg der Einkaufsstraßen. Mit Kreide wurden ihre Umrisse nachgezeichnet, um deutlich zu machen, dass sie Leichen darstellen sollten. Gleichzeitig wurden Flugblätter verteilt, welche über die Hintergründe der Aktion aufklärten. Die AntifaschistInnen machten in ihrem Flugblatt deutlich, dass die „Neo“-Nazis von heute sich ideologisch nicht von den Nazis von früher unterscheiden. Im Gegenteil: Gerade weil die heutige Nazigeneration genau weiß, was Faschismus bedeutet, sind sie umso mehr zu bekämpfen, damit ein neues 1933 niemals möglich ist. Das bedeutet auch, dass klar gemacht werden muss, dass es keine Option ist, bei Wahlen die eigene Stimme an faschistische Parteien abzugeben, da Faschismus immer wieder auf dasselbe hinausläuft: Massenmord! Deshalb zeigten an diesem Samstag Menschen Flagge gegen Nazis, aber auch gegen reaktionäre Stammtischmentalität. Denn diese ist die Keimzelle für Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und Sexismus. Wir aber wollen in einer (basis)demokratischen Gesellschaft leben, wo Nazis und andere RassistInnen keinen Platz haben. Wer Mord und Totschlag predigt muss auf allen Ebenen und mit allen Mitteln bekämpft werden. Heute haben AntifaschistInnen ein Zeichen gegen faschistische und rassistische Tendenzen innerhalb der Gesellschaft gesetzt. Dies ist aber nur der Anfang! Denn heute ist nicht alle Tage; wir kommen wieder, keine Frage!

Fight Fascism 2009

Nazis wegrocken! Fight Fascism 2009 am 25. September 2009 im Jugendheim Stolberg/Münsterbusch (Rotdornweg / Ecke Prämienstrasse)

Unter dem Motto „Nazis wegRocken! Fight Fascism 2009!“ steht das diesjährige Fight Fascism in Stolberg, das in diesem Jahr in die neunte Runde geht. Ein Zeichen für neun Jahre Kampf gegen den Faschismus. Doch noch immer laufen Nazis pöbelnd und prügelnd durch die Straßen! Hetzen gegen Menschen die anders denken, anders aussehen oder beides. Ihrer menschenverachtenden Gesinnung gilt es entgegen zu treten! Gerade auch nach den Aufmärschen der Faschistinnen und Faschisten in diesem und im letzten Jahr sieht man, dass Stolberg und auch Aachen noch einen langen Weg im Kampf gegen den Faschismus vor sich hat. Doch wir werden diese Herausforderung annehmen und uns nicht vom Naziterror beeinflussen lassen!
Nach den Übergriffen auf Jugendliche von Nazis nach dem Konzert 2007 und Organisationsschwierigkeiten 2008 erscheint das Fight Fascsim dieses Jahr im neuen Glanz. Es ist für mehr Sicherheit und für mehr Abwechslung gesorgt. So ist das Lineup des Konzertes dieses mal abwechslungsreicher. Masons Arms eröffnet das Konzert mit einer Mischung aus Ska-Punk und Reggae, „Pogo?Na Logo!“ sorgen mit oldschool Punkrock dann für die richtig Stimmung, genauso wie „ZSKA“. Das ganze wird dann noch von der „Microphone Mafia“ aus Köln mit Hip Hop Beats abgerundet. Alle auftretenden Musiker verzichten auf eine Gage, wodurch ein geringer Eintrittspreis möglich ist. Veranstalter des Konzerts ist in diesem Jahr, ist die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) sowie die Vereinigung Verfolgter des Naziregims, Bund der AntifaschistInnen (VVN/BdA) und die Gruppe Z aus Stolberg. Wie in den Vorjahren wird das Konzert von einem breiten Spektrum an Gruppen unterstützt: Von dem AK Antifa Aachen über die IG Metall Stolberg/Eschweiler, der ver.di Jugend bis hin zu den Jusos Kreis Aachen und weiteren. Das Konzert findet wieder im Jugendheim Stolberg/Münsterbusch statt (Rotdornweg / Ecke Prämienstrasse) und wird 4 Euro Eintritt kosten. Der Einlass ist um 17 Uhr und der Beginn des Konzertes ist um 17:30 Uhr.
Wie jedes Jahr sind Gemäß §6 VersG folgende Personen von der Teilnahme an der Veranstaltung ausgeschlossen: NPD, DVU, Republikaner, KAL sowie Neonazis, Rechtsextreme Störer und Störerinnen.
Nur Gemeinsam können wir die Faschistinnen und Faschisten auch weiterhin erfolgreich bekämpfen und sie in die Schranken weisen! Am 25. September werden wir ein weiteres Mal deutlich machen, dass es in Stolberg und dem Rest der Region keinen Platz, keinen Raum, nicht einen Fußbreit für Nazis gibt und wir auch weiterhin dafür kämpfen werden! Nazis wegRocken, jeden Tag!

Veranstaltung zu Chiapas/Mexiko

Hier die Infos der VeranstalterInnen:

Im Infoladen Aachen findet am Freitag dem 7. 8. eine Veranstaltung zu Chiapas/Mexiko statt, los gehts ab 19.00 Uhr, der Infoladen Aachen ist in der Stephanstraße 24

Chiapas im Visier von Politik und Kapital

Der südmexikanische Bundesstaat Chiapas ist nicht erst seit 1994 ein Ort
gesellschaftlicher Widersprüche zwischen politisch-ökonomischen Eliten und
der bäuerlich-indigen Bevölkerung, die für ein Ende von Ausbeutung und
Unterdrückung kämpft.

Die zapatistische Bewegung arbeitet seit 1994 an der Verbesserung der
Situation ihrer Gemeinden und konnte vor allem in den Bereichen Gesundheit,
Bildung, Justiz und basisorientierte Selbstverwaltung beachtliche Erfolge
erreichen. Parallel dazu versucht die außerparlamentarische Bewegung,
sämtliche benachteiligten Bevölkerungssektoren in ihre emanzipatorischen
Prozesse einzubeziehen.

Im Gegensatz zu den linksgerichteten Parteien in Südamerika streben die
Zapatistas nicht die Übernahme der Staatsmacht an. Sie wollen über eine
mexikoweite zivile Mobilisierung von unten (die die sogenannte „Andere
Kampagne“), eine völlige Neuordnung der gesellschaftlichen Verhältnisse
erreichen, die in einem mehrjährigen Prozess erarbeitet und mittels einer
neuen, partizipativen und antikapitalistischen Verfassung durchgesetzt
werden soll.

Aktuell sind diese Errungenschaften und Visionen der Basisbewegungen
vielleicht so bedroht wie selten zuvor, da Chiapas als extrem
ressourcenreicher Bundesstaat immer stärker ins Visier von Politik und
Kapital gerät – im nationalen wie im globalen Rahmen.

Zwischenzeit e.V. bietet ab sofort einen aktuellen 90-minütigen bebilderten
Vortrag zur Situation in Chiapas an, der vor allem die Themen behandelt, die
im deutschsprachigen Rahmen bisher wenig bekannt sind.

Referent Luz Kerkeling, Mitarbeiter von CIEPAC A.C. (Zentrum für ökonomische
und politische Forschung) in San Cristóbal, Chiapas, sowie von Zwischenzeit
e.V. (Münster), kehrte Ende April von einem über zweijährigen Forschungs-
und Arbeitsaufenthalt aus Mexiko zurück.

Hauptthemen des Vortrags sind:

1) neoliberale „Enwicklungs“- und Ordnungsprojekte:

- Raub und Privatisierung bäuerlich-indigener Ländereien
- Entvölkerung der ländlichen Gemeinden durch Umsiedlungsprogramme
(„ciudades rurales“)
- Tourismusprojekte (Agua Azul, Palenque u.a.)
- Ausbeutung der Biodiversität
- Monokulturen
- Agrosprit
- Kriminalisierung und Militarisierung (ASPAN, Nordamerikanische Allianz für
Sicherheit und Prosperität)
- Migration
- „Proyecto Mesoamérica“ – die Fortführung des Plan Puebla-Panamá unter
anderem Namen

2) gesellschaftlicher Widerstand:

- wachsender Widerstand gegen die hohen Stromtarife
- die aktuelle Situation in den zapatistischen Gemeinden
- die „Andere Kampagne“ in Chiapas und Mexiko
- weitere unabhängige soziale Bewegungen in Südmexiko

Offener Brief an den Aachener Polizeipräsidenten

Die Leiter/Leiterinnen von bisherigen und zukünftigen antifaschistischen Demonstrationen melden sich zu Wort: Endlich Konsequenzen ziehen aus der Niederlage für die Polizeiarbeit am 27.3.2008

Sehr geehrter Herr Oelze,

wir beziehen uns auf die von Nazis überfallene Demonstration am 27.3. 2008 und den daraus folgenden Prozess gegen den Leiter der antifaschistischen Demonstration und einen weiteren Demonstrationsteilnehmer.
Das Wichtigste zuerst: Wir fordern Sie auf, die bei der o.a. antifaschistischen Demonstration eingesetzten Polizisten in Zivil bei keiner der von uns zu leitenden Demonstration einzusetzen.
Die beiden zivil gekleideten Polizisten haben dem Überfall der Neonazis zugeschaut und haben nichts getan, um unsere Demonstration zu schützen. Sie haben vielmehr aufgrund von Vermutungen eine Demonstrationsteilnehmerin aus unseren Reihen angegriffen und unverhältnismäßig gewalttätig behandelt. Setzen Sie bitte in Zukunft Polizisten ein, die die gesetzliche Grundlage ihrer Arbeit kennen. Setzen Sie bitte solche Kräfte ein, die friedliche Demonstrationen zu schützen bereit sind. Wir wissen auch, dass die Neonazis oft körperliche Stärke demonstrieren. Das darf aber kein Grund sein, feige vor ihnen zurück zu weichen und dafür lieber eine körperlich unterlegene antifaschistische Demonstrantin anzugreifen. Setzen Sie bitte solche Kräfte ein, die erkennen können, wer der Aggressor und wer der Überfallene ist. Sie haben im Hauptausschuss der Stadt gesagt, ihre Polizisten könnten unterscheiden, was rechts und was links ist. Das konnten sie während der Prozesses eben nicht und das wiederholt sich in den Zeugenaussagen der anderen eingesetzten Polizisten. In ihrer Panik sprühten sie gegen alles und jeden mit Reizgas und verletzten so viele Unbeteiligte. Statt den Angriff der Neonazis zurück zu weisen, hinderten sie uns daran, uns zur Wehr zu setzen.
Ihr Pressesprecher hat der Öffentlichkeit kurz nach der Demonstration erklärt, es werde gegen einen Teilnehmer der antifaschistischen Demonstration wegen Körperverletzung ermittelt. Das war eine Lüge. Die Anzeige wurde von den beiden Zivilpolizisten am Tag der Demonstration angefertigt und richtete sich auch gegen den Leiter unserer friedlichen Demonstration. In der Polizeistatistik für das Jahr 2008 tauchen auch zwei Widerstandshandlungen von „Linken“ gegen Polizeibeamte auf. Wenn das die beiden jetzt eingestellten Verfahren gegen Teilnehmer unserer Demonstration meint, sollten Sie die Statistik ändern.
Wir können es immer noch nicht fassen, dass die beiden eingesetzten Zivilbeamten auf Befragen der Richterin nicht erklären durften, welchen Auftrag sie an diesem Tag hatten. Auch nach Anruf in Ihrer Behörde konnten die beiden keine Aussagegenehmigung erhalten. Was haben Sie zu verbergen? Wenn das, was die beiden tatsächlich getan haben, mit ihrem Auftrag übereinstimmt, dann war es ihr Auftrag, unsere friedliche Demonstration zu provozieren und anzugreifen. Solche Machenschaften haben in einer Demokratie nichts verloren.
Der von ihrer Behörde angeklagte Demonstrationsleiter hat auf der Schlusskundgebung öffentlich gefordert, dass das Verhalten der Zivilpolizisten auch dienstrechtlich untersucht werden muss. Im Prozess haben wir erfahren, dass es von Ihrer Seite nicht mal den Versuch gegeben hat, das Verhalten der beiden aufzuklären. Mysteriös bleibt, wie ausgerechnet die beiden Zivilpolizisten, gegen die öffentlich schwerste Vorwürfe erhoben wurden, mit dem Schreiben der Anzeige gegen ihre Kritiker betraut werden konnten.
Sie und andere haben nach der Demonstration darauf hingewiesen, dass die Kleidung der Angreifer derjenigen geglichen habe, die auch Teilnehmer der friedlichen antifaschistischen Demonstration trugen. Daraus folgern Sie, dass der Überfall der Nazis nicht vorausgesehen und also auch nicht verhindert werden konnte. Es stimmt, dass die Nazis es darauf anlegen, das Erscheinungsbild linker Demonstrationsteilnehmer zu kopieren. Im Prozess sagten die Zivilpolizisten aber deutlich, dass schon im ersten Moment des Auftretens der Neonazis hinter schwarzem Transparent klar gewesen sei, dass das „die Gegenseite“ gewesen sei und dass es jetzt zu Auseinandersetzungen kommen würde. Wir fragen Sie, ob die Beamten der politischen Polizei alle gleichzeitig an dem Tag Urlaub hatten? Die kennen die Neonaziszene, nicht nur durch die bezahlten Zuträger. Jeder aufmerksame Zeitungsleser kann den Führer der Kameradschaft Aachener Land erkennen. Trotz der Zusicherung des Einsatzleiters, die Polizei würde „das Umfeld der Demonstration observieren“, will niemand die Ansammlung von 35 Personen am Glaskubus entdeckt haben? Die Zivilbeamten jedenfalls hatten die Neonazis rechtzeitig gesehen, aber nicht eingegriffen, weil sie ja nicht zum Schutz des Demonstrationsrechtes beordert worden waren. Sie alarmierten auch nicht die in Reserve stehenden Polizisten, um Schutz für unsere Demonstration anzufordern. Erst als die Lage für die Polizisten selbst bedrohlich wurde, riefen sie Verstärkung zu Hilfe.
Auch wenn wir heute und in der Vergangenheit oft Polizeibeamte kritisiert haben, verkennen wir doch nicht, dass es keineswegs nur den 8 begleitenden Polizeibeamten angelastet werden darf, was damals geschehen ist. Von Konsequenzen auf den Stühlen derer, die die Verantwortung für diese Einsätze tragen, ist der Öffentlichkeit nichts bekannt geworden. Von einer Re- Organisation der politischen Polizei, die wir für nötig halten, ist nichts zu merken. Sie haben es sich in den Schützengräben des kalten Kriegs der fünfziger Jahre gemütlich gemacht und nicht mitbekommen, dass seit 1990 die Totalitarismusdoktrin nur noch eine alte Ideologie ist und zur Beschreibung der Realität nichts beiträgt. Seit 1990 haben die Neonazis über 130 Menschen umgebracht, darunter auch etliche Polizisten. Sie schüren Angst und sind erheblich kriminell. Die Zahlen über die Straftaten in der Region sprechen eine deutliche Sprache.
Sie haben die Einsätze Ihrer Polizeikräfte an diesem Tag als „Fehler, die nicht mehr vorkommen“ bezeichnet. Zu dem Zeitpunkt Ihrer Äußerung war die Tiefe dieser Fehler aber noch nicht erkennbar. Es wäre deshalb an der Zeit, daraus auch Konsequenzen zu ziehen.
Als eine der ersten Konsequenzen fordern wir Sie auf, ab jetzt neben dem Einsatzleiter insbesondere auch die Polizeibeamte in Zivil gemäß § 12 des Versammlungsgesetzes zu Beginn der
Demonstration dem Demonstrationsleiter und den Ordnern vorstellen. Außerdem sollte der Zweck des Einsatzes der Schutz des Rechtes auf friedliche Demonstrationen sein.

Wir dokumentieren zudem die Antwort des von Herrn Oelze beauftragten Polizeibeamten:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihr offener Brief, in dem Sie die Ereignisse während der Demonstration am 27.03.2008 aufgreifen, hat Herrn Polizeipräsident Oelze vorgelegen. Er hat mich beauftragt, Ihnen zu antworten.
Der Polizeipräsident hat sich in der zurückliegenden Zeit bereits mehrfach ausführlich und auch kritisch zu dem Polizeieinsatz an diesem Tag geäußert. Eine neue Stellungnahme würde hier nicht zu neuen Fakten führen. Bitte haben Sie auch dafür Verständnis, wenn diesseits auf eine Kommentierung zu den justiziellen Abläufen mit Rücksicht auf die Unabhängigkeit der Gerichte verzichtet wird.
Der Aachener Polizei pflegt eine offene Haltung gegenüber allen demokratischen Kräften in unserer Gesellschaft. Hierbei fühlt sich der Polizeipräsident dem Schutz der Grundrechte besonders verpflichtet.

Mit freundlichen Grüßen

Offener Brief: Keine Nazis in die Parlamente!

Wir dokumentieren hier einen offenen Brief an die Fraktionen des Aachener Stadtrates.

Keine Nazis in die Parlamente!
Handlungsvorschläge des Antifaschistischen Aktionsbündnisses Aachen

Aachen, 14.06.09

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Besorgnis erwarten wir die kommenden Kommunal- und
Bundestagswahlen. Mit Bestürzung haben wir das gute Ergebnis der extrem
rechten PVV von Geert Wilders in den Niederlanden bei den Europawahlen
am 06. Juni 2009 zur Kenntnis genommen.

Bei den Europawahlen im Jahre 1989 hatten die extrem rechten REP auch in
Deutschland ein Ergebnis von 8% erreicht. Bei den Kommunalwahlen 1989
lag das Ergebnis der REP in Aachen bei 4%. Damals gab es bei den
Kommunalwahlen noch die 5%-Hürde, heute wären die REP mit einem solchem
Ergebnis im Aachener Stadtrat. Nachdem bei den Kommunalwahlen im Jahre
2004 in Stolberg die NPD und die DVU, in Alsdorf die REP, im Kreis
Heinsberg die NPD und in Köln die „Bürgerbewegung Pro Köln“ in die
kommunalen Parlamente einzogen, halten wir den Einzug extrem rechter
Parteien in den Aachener Stadtrat nicht für ausgeschlossen – und meinen,
dass wir alle handeln sollten, bevor das Kind in den Brunnen gefallen
ist. In Alsdorf haben die REP auch bei diesen Europawahlen immerhin
4,49% der Stimmen erhalten.

Mit großem Interesse verfolgten wir bereits die Hauptausschusssitzung
vom 07. Mai 2008, in der alle anwesenden Ratsmitglieder und Fraktionen
ihren Willen zur Bekämpfung und die Befürwortung eines Verbots
rechtsextremer Parteien bekundeten.

Wieder werden in diesem Wahljahr neofaschistische und extrem rechte
Parteien wie NPD, DVU und ProNRW zu kandidieren versuchen. Gerade in
Aachen zeigte sich jedoch im Laufe des letzten Jahres, dass es sich bei
diesen keineswegs um „demokratisch-konservative“ Wahlalternativen
handelt; vielmehr bieten sie eine Organisationsstruktur und einen
Finanzierungsapparat für rassistische und antisemitische Propaganda,
einen Hort der Gewalt.

Wir als Antifaschistisches Aktionsbündnis Aachen wollen dies in keinem
Fall hinnehmen, da wir der Meinung sind, dass Neofaschismus und extrem
rechte Ansichten in dieser Gesellschaft keinen Platz haben dürfen.

Wir sind davon überzeugt, dass nur gemeinsam verhindert werden kann,
dass die obengenannten Parteien an Einfluss gewinnen. Deshalb fordern
wir alle Menschen, die nicht akzeptieren wollen, dass NPD, DVU und
ProNRW und andere extrem rechte Parteien Wahlerfolge erzielen können,
auf, sich der extremen Rechten aktiv entgegenzustellen und ihnen den
Wahlkampf so schwer wie möglich zu machen. Um das zu erreichen möchten
wir einige Handlungsvorschläge machen:

1.
Die demokratischen Parteien stellen mindestens 10% ihrer
Plakatständer für die Plakate „Keine Nazis in die Parlamente“ zur Verfügung.

2.
Die Verwaltung veröffentlicht die Termine aller Infostände von NPD,
DVU und ProNRW und anderen extrem rechten Parteien.

3.
Die Stadt lässt in der Stadt braune Mülltonnen aufstellen, in denen
Propagandamaterial der genannten Parteien entsorgt werden kann.

Darüber hinaus ist es sehr wichtig, Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, um
die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und dafür zu sorgen,
dass extrem rechte Parteien in Aachen (und anderswo) keine Chance haben.
Zudem fordern wir die Fraktionen des Stadtrates auf, zu der Kandidatur
von extrem rechten Parteien Stellung zu beziehen und eine klare Position
herauszustellen.

Wir hoffen, dass wir mit der Unterstützung von allen gegen Rechts
engagierten Menschen und insbesondere mit dem Stadtrat ein Klima in
Aachen schaffen können, in dem es extrem rechten Parteien und
Organisationen unmöglich gemacht wird, an Einfluß zu gewinnen. Wir
errinnern in diesem Zusammenhang nochmals an Ihre Willensbekundung und
fordern Sie auf, Wort zu halten und tätig zu werden.

Wir bitten um Antwort in den nächsten Tagen.

Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

Antifaschistisches Aktionsbündnis Aachen

Erklärung des AFAB zum Kessel am 4.4.2009

Am 4.4.2009 hat Stolberg ein Zeichen gegen rechts gesetzt. Mehr als 200 Menschen konnten jedoch am großen Fest nicht teilnehmen. Sie wurden am Hauptbahnhof festgehalten. Nach mehreren Stunden im Polizeikessel, von Hunden ohne Maulkorb bedroht, nach Personalienfeststellung und Abfilmen gab es Platzverweise und einige willkürliche Festnahmen. Nach Ansicht der Polizei war der Aufenthalt im Bahnhof eine ungenehmigte Versammlung. Das war der Vorwand für diesen rechtswidrigen Kessel. Gegenüber der Presse wurde dann von Waffen gesprochen, die es im Kessel gar nicht gab. Aber nach außen war damit das gewünschte Bild vermittelt.

Am selben Tag haben Nazis in Eschweiler eine nicht angemeldete Demonstration mit Kundgebung durchgeführt. Die Polizei reagierte darauf bemerkenswert: Die Nazis wurden zum Bahnhof zurück geleitet und in einen Zug nach Stolberg gesetzt. Damit konnten alle diese Nazis an dem rechten Aufmarsch teilnehmen. So sieht also die Praxis der Polizei aus, wenn die Sonntagsreden gehalten sind: Die Nazigegner werden stundenlang eingekesselt und kriminalisiert, die Nazis werden zu ihrem Aufmarsch geleitet.

Wir fordern:

- Einstellung aller Ermittlungen gegen Antifaschistinnen und Antifaschisten
- Löschung aller illegal erhaltenen Daten und Bilder
- Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den verantwortlichen Einsatzleiter der Polizei wegen Freiheitsberaubung und weiterer Delikte

Wir fordern alle engagierten Menschen auf, unsere Forderungen zu unterstützen und sich mit uns dafür einzusetzen, dass das die Versammlungsfreiheit auch für friedliche antifaschistische Proteste gewährleistet ist.

Erlebnisbericht zum Kessel am Stolberger Hbf am 4.4.2009

Wir kamen ca. um 11 Uhr am Stolberger Hauptbahnhof auf Gleis 2 an. Nach der Unterführung blieben wir alle auf dem Bahnsteig stehen. Kurze Zeit später wurden wir hier schon von der anwesenden Polizei gekesselt. Die Polizei gab durch, dass wir eine Versammlung seien und sie bestimmten einen Antifaschisten der nun Versammlungsleiter sein sollte. Dieser lehnte dies aber ab, was aber von der Polizei ignoriert wurde. Daraufhin erklärte der Antifaschist die Versammlung für beendet.
Nach einer längeren Phase erklärte dann die Polizei wir sollten den Bahnsteig verlassen, was aber zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht möglich war, da besonders die Hundestaffel es unmöglich machte den Kessel zu verlassen. Die anwesenden Personen standen vorne begrenzt unmittelbar durch die Hundestaffel (3-4 Hunde OHNE Maulkorb), insgesamt ca. 30 PolizistInnen, links (zu den Bahnschienen) begrenzt durch Absperrband und PolizistInnen, hinten Treppenabstieg zu den anderen Gleisen, rechts durch mehrere Absperrgitter sowie PolizistInnen. Die Menschen mussten die von Vorne immer näher rückende Hundestaffel zusammenrücken und es war eine eng gedrängte Menschengruppe. Die nervösen, einsatzbereiten Hunde wurden immer näher an die vordersten Menschen geschickt, um diese zurückzudrängen. Diese konnten aufgrund der Kesselung auf dem Bahnsteig nicht weiter zurückweichen. Die Hunde wurden so nahe auf die Menschgeschickt, das ein Hund aggressiv das Bahner zerfetzte, es bestand unmittelbare Gefahr von schweren Bissverletzungen für die Menschen die das Banner hielten. Anwesende Erwachsene schrien den Hundeführer laut an, den Hund sofort zurückzuholen, um die Menschen zu schützen. (beigefügter Film). Es wurde permanent von einem rechts neben den auf dem Bahnsteig eingekesselten Menschen geparkten Polizeibus gefilmt. Ebenfalls filmte ein PolizistInn die ganze Zeit mit einer Kamera von Vorne die auf Bahnsteig stehenden Personen. Erst später konnten Leute denen schlecht wurde die Blockade verlassen. Diese wurden aber ebenfalls in den Kessel auf dem Bahnhofsvorplatz geführt. Es gab also zu keiner Zeit eine Möglichkeit den Hauptbahnhof so zu verlassen, dass man sich noch an den Aktionen in der Innenstadt beteiligen konnte. Die Polizei hielt alle Menschen am Bahnhof fest.

Nachdem eine ganze Weile vergangen war und die Polizei dreimal aufgefordert hatte die Blockade zu verlassen (was faktisch nicht möglich war), griffen die PolizistInnen an und zerrten die Menschen von dem Bahnsteig. Ich konnte selbst beobachten wir zwei BeamtInnen brutal auf einen Antifaschisten einschlugen ohne das dieser ihnen einen Grund geliefert hätte. Er war lediglich durch das Drücken und Zerren nach vorne gestolpert. Die Polizei ging mit einer unnötigen Gewalt gegen uns vor. Selbst nachdem Personen von je 2-3 PolizstInnen mit brutaler Gewalt in den Kessel gezerrt worden waren, wurden diese nicht losgelassen. 2 Personen aus dem Kreis der Eingekesselten stellen sich vorne in den Kessel und versuchten auf die PolizstInnen einzuwirken, indem sie auf diese einredeten, die
Personen nun doch endlich loszulassen, da sie ja nun im Kessel seien! Ein älterer Herr um die 70 Jahre wurde nicht losgelassen, sondern durch den Kessel durchgeschleift zu einem Polizeiwagen und wurde danach auch nicht mehr gesehen (siehe Film). Es gab Unterschiedliche Vorgehensweisen der PolizstInnen, einige gingen freundlicher und ruhig vor, andere genau gegenteilig. Woran dies festgemacht wurde, war unersichtlich. Als der Bahnsteig geräumt war, befanden wir uns alle im Kessel auf dem Vorplatz. Einige Zeit später erklärte uns die Polizei, dass wir alle in Gewahrsam genommen werden und nach Aachen ins Polizeipräsidium gebracht werden, da wir der Aufforderung den Bahnsteig zu verlassen nicht nachgekommen wären. Dies war aber ein absoluter Witz, da ja auch jene im Kessel waren, denen es möglich gewesen war den Bahnsteig zu räumen. Ein Mann sprach mit einem Polizisten und beschwerte sich darüber, das ihm obwohl er unter den Wenigen war, denen es doch möglich war den Bahnsteig zu verlassen, ihm lediglich die Möglichkeit geboten wurde im Kessel zu bleiben, ihm aber verweigert wurde den Bahnhof zu verlassen.
Des Weiteren wurden Jugendliche, Schwangere und Behinderte aufgefordert sich bei den Einsatzkräften zu melden, um den Kessel zu verlassen. Ich und viele andere dachten, dass sie so schneller nach Hause konnten. Doch wurde diese Gruppe lediglich in einen anderen Kessel etwas weiter hinten verlegt. Dort wurden alle nach ihren Personalien befragt und diese auf einzelne Zettel notiert. Eine Frau und ein Mann bestanden darauf, bei der Gruppe der Jugendlichen, Schwangeren und Behinderten zu bleiben. Fahrlässig war, das 4 Hundeführer der Diensthundstaffel ihre 4 Hunde Ohne Maulkorb mitten durch die Gruppe der einkesselten Jugendlichen, Schwangeren und Behinderten führte!
Nur bei der erkennungsdienstlichen Behandlung kamen die Menschen aus diesem Kessel schneller dran. Bei der erkennungsdienstlichen Erfassung, wurden Jugendliche teilweise gefilmt und ihre Angaben, per Video mit Ton aufgenommen, sie mussten den Beamten nachsprechen. Es fielen dabei Worte der PolizistInnnen wie“ Bist wohl zu blöd, um deine Postleitzahl zu kennen….“ „ Hä wieso trägste ne Sonnenbrille, wohl Angst vor Pfefferspray?!“, „Was hast Du den da auf dem Kopf einen Klorollenhülle (Häkelmütze). Jede Person, zumindest aus dem Kessel der Jugendlichen wurde mit 3 PolizistInnen Erkennungsdienstlich erfasst. Ansonsten mussten sie das Selbe durchmachen wie wir im ersten Kessel. Während der ganzen Zeit umkreisten PolizistInnen mit Fotos die eingekesselten Jugendlichen und versuchten offensichtlich Personen aus unbekannten Gründen, anhand der Fotos zu identifizieren. Beim Kessel muss man lediglich positiv werten, dass uns Getränke zur Verfügung gestellt wurden und das wir auf Toilette gehen konnten.
Gegen 15 Uhr sagte die Polizei dann durch, dass wir nicht nach Aachen transportiert würden, sondern das wir alle einen Platzverweis für Stolberg bekommen und nach einer erkennungsdienstlichen Behandlung gehen können. Dies zog sich dann bis 17 Uhr. Danach waren dann fast alle raus und wir konnten mit einem Zug nach Aachen fahren. Am Aachener Hauptbahnhof stand zumindest ein Fahrzeug mit Zivil PolizistInnnen, diese beobachteten die aus dem Bahnhof kommenden Menschen. Zu der Polizei kann man noch sagen, dass es teilweise sehr merkwürdige Situationen gab. Es ließ sich beobachten, dass die Dienstrang tiefer gestellten PolizistInnen teilweise absolut locker und freundlich waren, dann aber die Vorgesetzten sie wieder dazu anhielten härter gegen uns vorzugehen. Bei einer Aufforderung die Helme aufzusetzen hörte ich den Kommentar von einem Polizisten „Wie unnötig, die sind doch friedlich.“! Herrn Oelze schien das harte Vorgehen sehr zu gefallen, als er den Kessel besuchte. Der Polizeipräsident, Herr Oelze hielt sich über einen langen Zeitraum direkt am Bahnhof und den dort eingekesselten Menschen auf.



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